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„Ein starker Teamzusammenhalt hat positiven Effekt“

Fakten, Prävention und Unternehmensbeispiele zum Krankenstand

Oldenburg, 25.03.2026. Ist der betriebliche Krankenstand in den vergangenen Jahren wirklich gestiegen? Stagniert er? Oder ist er sogar gesunken? Seit Wochen tobt eine Debatte um das Thema und die Interpretation vorliegender Zahlen. Zeit, einmal genauer hinzusehen. Das tat die Oldenburgische IHK jüngst in Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeberverband Oldenburg (AGV) im Rahmen der Veranstaltung „Hoher Krankenstand, hohe Kosten?!“. Neben einem Faktencheck ging es dabei um Prävention und Best-Practice-Beispiele hiesiger Unternehmen.

Fest steht: Auch 2025 lagen die Fehlzeiten auf hohem Niveau. Doch bei der Interpretation solcher Zahlen ist Vorsicht geboten, mahnte Referent Dr. Jochen Pimpertz vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln. „Die Zahlen sind so komplex, dass man das Thema sehr stark herunterbrechen muss. Und dann passiert es, dass dabei wichtige Aspekte verloren gehen.“

Seit Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeit ist die Zahl der erfassten Krankheitstage stark angestiegen. „Früher gab es den gelben Schein in dreifacher Ausführung: einen für den Arbeitgeber, einen für die Akte und einen musste ich eintüten und an die Krankenkasse schicken“, rief Dr. Pimpertz in Erinnerung. Letzteres habe nicht jeder getan. Seit 2022 erfolgt die Übermittlung nun digital, womit sich die sprunghafte Zunahme von Fehltagen erklären lasse. Die Daten legten aber auch nahe – Dr. Pimpertz' Analyse basiert auf Zahlen der AOK und BKK –, dass der Krankenstand seither marginal, aber kontinuierlich sinke.

Ob die Beschäftigten infolge der telefonischen Krankschreibung häufiger „blau“ machten, bezweifelte der Referent. „Bislang gibt es keine stichhaltige Evidenz für eine missbräuchliche Inanspruchnahme der telefonischen Krankschreibung bei Atemwegserkrankungen. Wohl aber Indizien für eine vereinzelte, rechtlich problematische Handhabung in den Praxen.“

Einige Unternehmen im Oldenburger Land setzen inzwischen auf ein betriebliches Gesundheitsmanagement. Sie haben Belohnungssysteme eingeführt oder eigene Methoden entwickelt, um die Gesundheit ihrer Belegschaften zu stärken. In Zeiten des Fachkräftemangels ist es von großer Bedeutung auf eine fitte Mannschaft bauen zu können.

„Ein starker Teamzusammenhalt hat einen positiven Effekt“, so die Erkenntnis von Katrin Vahlenkamp, Personalleiterin bei der Semcoglas Holding GmbH in Westerstede. „Die Einführung von Gruppenarbeit hat zu einer Reduktion von Fehlzeiten geführt.“ Das Unternehmen hat rund 2.000 Beschäftigte an 25 Standorten in Deutschland und Dänemark – und hatte in den Niederlassungen mit geringen Fehlzeiten nach den Arbeitsmodellen gefragt. Eine Erkenntnis: Das Gruppengefüge hat deutlichen Einfluss auf die Gesundheit der Mitarbeitenden. Zugleich spiele eine Führungskultur mit vorgelebten Werten, Wertschätzung, aber auch Transparenz und Konsequenz eine wichtige Rolle. „Wer krank ist, muss geschützt werden – gleichzeitig darf Lohnfortzahlung nicht zur bezahlten Freizeit werden.“

Auf individuelle Ansprache neben dem allgemeinen betrieblichen Gesundheitsmanagement setzt das Oldenburger IT-Consulting-Unternehmen btc group. Auch hier sind mehr als 2.000 Mitarbeitende an verschiedenen Standorten tätig. So werde der Krankenstand auf „konstantem Level“ gehalten. Nicht explizit ausgewertet wurde dabei der Einfluss von mobiler Arbeit auf die Gesundheit. „Aber es könnte zuträglich sein, dass Homeoffice ermöglicht wird“, sagte Konstanze Dolata.

Im St. Elisabeth-Stift mit seinen knapp 270 Beschäftigten in Lastrup ist inzwischen eine Einspringprämie eingeführt worden, wenn Mitarbeitende in der Pflege kurzfristig ausfallen. „Aber Achtung, sowas hat auch Nebenwirkungen“, mahnte Geschäftsführer Guido Suing. Zugleich gebe es ein Gesundheitskonto – neben dem betrieblichen Gesundheitsmanagement – sowie eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Und trotzdem „bleibt Fehlzeitenmanagement eine fortwährende Aufgabe, mit der wir sensibel umgehen, wo wir aber auch Grenzen aufzeigen.“

Und was kann die Politik tun? Dr. Pimpertz sieht drei Handlungsfelder: Die Karenzzeiten, in denen es eine Entgeltfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit gebe, müssten auf den Prüfstand. „Außerdem gibt es bislang einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung von sechs Wochen je Diagnose. Hier sollte es eine Neuregelung geben, die sechs Wochen unabhängig von der Diagnose vorsieht.“ Und auch die aufschiebende Wirkung der Urlaubstage während einer Erkrankung im Urlaub gelte es zu hinterfragen.

Quelle: Oldenburgische IHK