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Arbeitsmarkt im Wandel?

2025 09 15 POM PHW Gruppe

Personalforum Oldenburger Münsterland des Arbeitgeberverbandes Oldenburg zu Gast bei der PHW-Gruppe in Visbek-Rechterfeld

Rechterfeld/Oldenburg, 18.09.2025. „Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist seit 2022 um ein Drittel zurückgegangen“, zitierte Fabian Leupold, Leiter Personal der PHW-Gruppe in Visbek-Rechterfeld, die aktuellen Zahlen aus dem Indeed-Arbeitsmarkt-Index. „Besonders in der Softwareentwicklung, Produktion/Fertigung und in der Lagerhaltung sinkt die Nachfrage stärker als in anderen Bereichen. Der Berufseinstieg wird schwieriger. Vor allem der Markt für Junior-Positionen ist laut den Statistiken eingebrochen“, ergänzt Fabian Leupold. Er zeichnete beim Personalforum Oldenburger Münsterland des Arbeitgeberverbandes Oldenburg (AGV) zum Thema „Arbeitsmarkt im Wandel“ am vergangenen Montag ein Bild des sich in einigen Bereichen wandelnden Arbeitsmarktes von einem Arbeitnehmermarkt hin zu einem Arbeitgebermarkt. Über 50 Geschäftsführer und Personalverantwortliche aus Unternehmen des Oldenburger Münsterlandes waren der Einladung des Arbeitgeberverbandes Oldenburg und der PHW-Gruppe, die dieses Mal Gastgeberin war, gefolgt.

Die PHW-Gruppe mit der Verwaltungszentrale in Visbek-Rechterfeld blickt inzwischen auf eine über 90-jährige Historie zurück. Vorstandsvorsitzender Peter Wesjohann skizzierte die Entwicklung des Familienunternehmens: Aus einem kleinen Landhandel mit Brüterei ist eine erfolgreiche Unternehmensgruppe geworden, die aus mehr als 45 Tochterfirmen besteht. Als Produzent hochwertiger tierischer und pflanzlicher Proteinprodukte ist die Gruppe fest in der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft verankert. Das umfangreiche Lebensmittelportfolio wird durch Nahrungsergänzungsmittel für den Gesundheitsbereich abgerundet. Rund 11.000 Mitarbeitende zählen alle Tochterfirmen europaweit zusammen, und im Geschäftsjahr 2023/2024 wurde ein Gesamtumsatz von ca. vier Milliarden Euro erwirtschaftet. Die PHW-Gruppe ist ein Familienunternehmen und bietet eine Vielzahl an Berufen an – und das mit Zukunftsperspektive. 2022 wurde die Employer-Branding-Kampagne „We are PHW-Family“ gestartet, bei der reale Mitarbeiter portraitiert werden. Durch diesen Slogan wird auf prägnante Art und Weise unterstrichen, dass bei der PHW-Gruppe viel Wert auf einen familiären Umgang untereinander gelegt wird. Respekt, Fairness, Verlässlichkeit, Achtsamkeit, Teamgeist und Bodenständigkeit sind Werte, die fest im Unternehmen verankert sind.

Herausforderungen im Recruiting begegnet die PHW-Gruppe mit Strategie. So hat das Unternehmen digitale Lösungsansätze geschaffen, in regionales und lokales Sponsoring investiert und intern die Wichtigkeit von Recruiting geschärft. „Unsere Antwort sind Struktur, Geschwindigkeit und Professionalität“, so das Fazit von Personalleiter Fabian Leupold.

Tipps für die Bewerberauswahl in Unternehmen gab Professor Dr. Uwe Kanning von der Hochschule Osnabrück in seinem Fachvortrag zum Thema „Verschiedene Wege, garantiert den falschen Mitarbeiter zu finden“. Der Wirtschaftspsychologe ermahnte, Fehler bei der Personenbeurteilung wie Attraktivität, Akzent und Ähnlichkeit in Bezug auf Herkunft, Familie und Werte zu vermeiden. Bei der Sichtung der Bewerbungsunterlagen plädierte er dafür, nicht zu streng vorauszuwählen, die formale Gestaltung zu ignorieren und nicht zu psychologisieren. Einstellungsinterviews sollten strukturiert geführt werden. „Ein nettes Gespräch reicht nicht aus“, so Professor Kanning. Seine Empfehlung lautete: Fragen vorher zu überlegen, arbeitsbezogene Fragen zu stellen, allen Bewerbern dieselben Fragen zu stellen, vorher zu überlegen, wie Antworten zu bewerten sind und die Einstellungsinterviews mit Arbeitsproben oder Leistungstests zu kombinieren.

Worauf Unternehmen im Recruiting-Prozess beim Thema Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und Datenschutz achten müssen, stellte Rechtsanwältin Ruth Wreesmann, Verbandsjuristin beim Arbeitgeberverband Oldenburg, in einem Kurzvortrag dar.

Im Rahmen einer sich anschließenden Podiumsdiskussion wurde das Thema „Arbeitsmarkt im Wandel“ vertieft und für die Region eingeordnet. Dr. Clemens Schwerdtfeger, Geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Schwerdtfeger Personalberatung in Emstek, und Tina Heliosch, Vorsitzende der Agentur für Arbeit Vechta und Osnabrück, sehen noch keinen Wandel des Arbeitsmarktes von einem Arbeitnehmermarkt zu einem Arbeitgebermarkt. Nach wie vor müssten Unternehmen im Oldenburger Münsterland viel Aufwand betreiben, um den geeigneten Kandidaten zu finden. Das bestätigte auch Walter Wolf, Leiter Personal der GRIMME Landmaschinenfabrik in Damme, in seinem Statement. Und auch Zugeständnisse in Bezug auf Arbeitszeitgestaltung seien immer noch üblich.